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flow
| Stärker als in früheren Videos arbeitet lia in flow mit nahezu ornamentalen Formen, die zum Sound, der diesmal von Vitor Joaquim stammt, üppig über die Leinwand wuchern.
Die Grundelemente sind wie immer äußerst filigrane grafische Figuren. Sie erinnern zuerst an mikrobiologische Teilchen, aus denen unmittelbar darauf Knospen und Blütenkelche im Stile des Art Deco oder des Jugendstils wachsen, welche später ihrerseits von einem dichten Bambus-ähnlichen Geflecht überlagert werden, das in seiner Ästhetik nun an minimalistische fernöstliche Kunst denken lässt. Der dabei entstehende Eindruck von rasender Bewegung kommt aber nicht aus den Elementen selbst, die in sich starr sind, sondern aus der tausendfachen Multiplikation, der sie ununterbrochen unterworfen sind.
„Becoming and Disappearing“: lias Bilder sind in einer perfekten Harmonie auf die Musik von Vitor Joaquim abgestimmt. In Anlehnung an Laurie Andersons repetitiven Sprechgesang der 80erJahre kommt auch hier eine weibliche Stimme zum Tragen, eingebettet in ein reduziertes elektronisches Instrumentarium.
Während die Musik eine zirkuläre Struktur verfolgt und in ihrer Intonation Zuspitzungen vermeidet, wird das Wuchern der Elemente auf der Bildebene zunehmend dichter und undurchdringlicher. Im ständigen Wachsen überlagern sich die einzelnen grafischen Objekte schichtweise, erlangen den Status skulpturaler Figuren, die sich im permanenten Fluss der Kreation neuer Formen rasch wieder auflösen.
Ein durchgängiges blutrotes Pulsieren der ganzen Leinwand gibt dem ornamentalen Geflecht von Beginn an etwas Körperhaftes, unterstreicht das Organische, das mit der Bewegung auf der Leinwand simuliert wird.
Und was als Saat kleiner kreisförmiger Körner begann, verschwindet am Ende des Videos in einem weißen Lichtfeld als Implosion des permanenten Wachsens in sich selbst. (Gerald Weber)
Printgrafik: flow.jpg
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